AKA: Dead Alive – Laufzeit: 104 Minuten – Land: Neuseeland – Wichtig: AB 18 (aber echt) !
Nanu, Peter Jackson… ? Richtig, aber Filmkenner werden ohnehin wissen, mit welchen Filmen unser “Herr Der Ringe” seine Karriere begann. Nun, “Braindead” ist eben einer von ihnen… doch zunächst zur Story: der leicht tollpatschige Lionel (Timothy Balme) hat es wirklich nicht leicht… er lebt allein mit seiner Mutter, die ein absoluter Kontrollfreak ist (um auch mal das “neudeutsche” zu benützen), in einem großen Anwesen. Eines Tages begegnet er der schönen Paquita (Diana Peñalver), der bereits vorausgesagt wurde dass sie bald ihre große Liebe finden wird. Ob das passt… ? Lionel’s Mutter jedenfalls versucht eine Anbandelung zwischen den beiden zu verhindern. So ist sie auch beim ersten richtigen “Date” ihres Sohnes – in einem Zoo – mit von der Partie. Dabei wird sie allerdings von einem rattenartigen Affen gebissen, woraufhin sie schwer krank wird. Es wird doch nichts ernstes sein… ? Und ob. Denn schon kurze Zeit später stirbt sie, weilt danach allerdings gar nicht mal so lange unter den Toten… eine Ausbreitung des “Virus” folgt, und schon bald wandeln unzählige Untote durch die Gegend. Werden unsere Protagonisten sie stoppen können ? Wie weit geht wirkliche Mutterliebe ? Und hat die frische Beziehung von Lionel und Paquita inmitten all der umherfliegenden Körperteile eine reelle Chance… ?
Sie sehen vielleicht schon, ganz ernst darf man den Film nicht nehmen – so auch nicht diese Rezension ! Eines ist mit Sicherheit klar: “Braindead” ist ein Film, an dem sich die Geister scheiden. Die einen finden ihn schlicht abstossend – aufgrund der vielen, wirklich sehr exzessiven Gewaltdarstellungen auch irgendwo verständlich. Die anderen jedoch finden, dass es sich hier um einen absoluten Kultfilm, ja gar ein “Meilenstein” in der Filmgeschichte handelt – hauptsächlich wegen der Mischung aus Splatter-, Horror- und Kömodienfilm, die es in so einem Ausmaß wohl noch nicht vorher gegeben hat (das heisst vor dem Jahr 1992). Und ich muss sagen: ich sollte mich hier wohl ganz klar der zweiten Gruppe anschließen. Eines ist jedoch wichtig: man darf nicht zu empfindlich sein was Gewaltdarstellungen angeht – andererseits bin ich mir ziehmlich sicher, dass die Leute, die sich diesen Film auch heutzutage noch ansehen werden; genau wissen worauf sie sich da einlassen. Überaus interessant wäre es mit Sicherheit auch einmal zu schauen, wie sich die Reflektion des Publikums im Laufe der Jahre (möglicherweise) geändert hat. “Schockt” dieser Film auch heute noch so wie damals ? Unwahrscheinlich, gibt es doch unzählige Ekel-Filme auf dem Markt, die drei wertvolle Zutaten aber eben nicht haben: Charme, Witz, und Spaß. Genau dies könnte der Grund dafür sein, warum “Braindead” mittlerweile einen derartigen Kultstatus innehat (allerdings und zwangsläufig wohl nur bei Horror- und Splatterfreaks).
Es ist also einerseits die übermäßige Brutalität, die den Film ausmacht. Definitiv – so viel Kunstblut wie hier fliesst wohl in kaum einem anderen Film. Dazu fliegen noch ganz andere Sachen durch die Gegend… denn die Zombies werden hier in allen nur erdenklichen Arten “eliminiert”. Dass diese Darstellungen tatsächlich witzig sind – liegt nicht am möglicherweise “kranken” Geschmack des Zuschauers. Sie sind es einfach – und dies liegt auch an der Intention der Filmemacher. Hier sollte kein ernster Horrorstreifen entstehen, sondern einer; der diverse andere Werke aufs Korn nimmt und der in jeder nur vorstellbaren Weise übertreibt. Selbstverständlich bei der Brutalität; aber auch bei allen anderen Dingen – wie beispielsweise den Verhaltensweisen und Emotionen der Charaktere. Was widerum vor allem eines impliziert: hier soll man nicht mit bierernster, schockierter Mine vor dem Bildschirm sitzen – sondern “Spaß” haben ! So unverständlich das vielleicht für manche klingt – wie gesagt, dieser Film ist definitiv nichts für jedermann. Aber mit Sicherheit auch nicht nur für angehende Psychopathen – wie es uns die Medienkontrolleure ja gerne immer mal wieder weissmachen möchten; bei vielen ähnlichen Filmen. Im Vergleich zu den “SAW” oder “HOSTEL“-Reihen wirkt dieser Film hier aber eher harmlos – eben trotz der stärkeren Gewaltdarstellungen, die eher wie aus einem Comicheft adaptiert erscheinen.
Überaus “köstlich” (wie passend) ist jedenfalls die gesamte Geschichte, die hinter dem tatsächlichen Kampf zwischen Mensch und Zombie steht – ja, es gibt tatsächlich eine ! Im Grunde genommen geht es darum, wie eine seltene Affenart von einer von Eingeborenen bevölkerten Insel nach Australien gebracht wird. Ein großer Fehler, wie sich herrausstellt… dazu gibt es noch eine amüsante Liebesgeschichte – es ist einfach zu lachhaft, wie sich diese beiden Charaktere annähern und verhalten. Allerdings, und das ist der Punkt: könnte man, wenn man denn nur wollte – auch in diesen Dingen stets die ernsteren Elemte sehen. Denn auch dies lässt der Film zu – nicht alles ist völlig aus der Luft gegriffen. Das wären Dinge wie die übertriebene, schon krankhafte Liebe der Mutter zu Ihrem Sohn, Streitfragen um die Erbschaft, aber auch ganz generelle Dinge wie Aberglaube im Allgemeinen… super gemacht, muss ich sagen. Ein größtenteils “ernstes”, handfestes Grundgerüst wird garniert mit einer überirdischen Prise Lächerlichkeit, Humor, Wortwitz; und selbstverständlich: Kunstblut. Ich möchte nicht wissen, wieviel beispielsweise in der Rasenmäher-Szene (würg!) geflossen ist…
Zum technischen Part. Nun, man muss feststellen, dass der Film doch schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Das sieht man natürlich auch – eine glasklare, pixelfreie Optik ist also nicht zu erwarten. Dennoch ist der Film auch auf größeren Bildschirmen noch gut anzuschauen. Das liegt auch an der guten bis sehr guten Kameraführung, die doch recht professionell daherkommt. Es wird bereits schwieriger, den “Soundtrack” zu beurteilen… die Musik alleinstehend… ? Absoluter Schrott würde ich meinen. Aber im Zusammenhang mit dem Film, und in Bezug auf einzelne Szenen (besonders bei den “Liebesszenen”) – da passt dann wieder alles. Genauso “schröcklich” muss die Musik einfach sein, und nicht anders. Echter “Trash” eben ! Und Timothy Balme als Hauptdarsteller… der Hammer ! Die mehr als übertriebene Gestik und Mimik, seine gesamte Wirkung… sehr gut gespielt. Ich hoffe nur, dass er danach nicht nur solche Rollen angeboten bekam – ich kenne keinen weiteren Film mit ihm, allerdings scheint es als hätte er noch einige weitere Rollen gehabt. Auch die anderen Darsteller fügen sich perfekt in dieses blutige Horrorkomödien-Szenario ein. Einzig Diana Peñalver als die schöne Paquita hat eine schwere Aufgabe: sie muss ihre Rolle fast den ganzen Film über relativ ernst spielen (kann ja nicht jeder so verrückt sein – siehe Ian Watkin als Onkel Les, der bestimmt auch eine Menge Spaß beim Dreh hatte) ! Aber auch das kommt gut rüber.
Schlussendlich… ich sage mal: das was “gewollt” wurde, wurde auch erreicht. Bei “Braindead” handelt es sich also doch um einen “Meilenstein” – zumindest in diesem Genre, welches sich da Splatterkomödie schimpft. Ich gehe jetzt noch schnell eine Magentablette einwerfen, und gebe dem Film 8.7 von 10 Punkten. Der Trailer:






Einer meiner Lieblingsfilme schlecht hin.
Zur Info: es wurden 300 Liter Kunstblut bzw. 20 Liter Ahornsirup pro Sekunde verwendet.
“Mutter, die Matheson’s sind da.”
“Uääääähhhhh…HOOOOOL MIR MEIN KLEEEID!” Köstlich! lol