
AKA: Lionel Bart’s Oliver! (UK) – Laufzeit: 153 Minuten – Land: UK
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Ich habe dieses wirklich bemerkenswerte, filmisch umgesetzte Musical nun schon zum dritten Mal auf DVD gesehen. Es basiert ganz offensichtlich auf der Original-Novelle “Oliver Twist” von Charles Dickens.
Wer hat noch nicht von den Geschichten über Oliver Twist (Mark Lester) gehört, dem kleinen Waisenjungen dessen Mutter kurz nach seiner Geburt starb, scheinbar ohne einen jeglichen Hinweis auf ihre Herkunft zu hinterlassen ? Dem Jungen, der im Essenssaal des Waisenhauses nach “mehr” Essen fragte ? Was kurzum in einem großartigen Abenteuer (auch der Selbstfindung) mündet. Oliver Twist wird verkauft, türmt jedoch kurz darauf, da er in seiner “neuen Familie” nichts als Leid erfährt – und macht sich auf den Weg nach London. Dort trifft er den Artful Dodger (Jack Wild), der ihm sogleich Fagin (Ron Moody) vorstellt; ein Dieb und Lebenskünstler, der eine ganze Horde Straßenkinder bei sich beheimatet um sie auf Beutezüge durch die Straßen Londons zu schicken. Dort trifft er auch auf Nancy (Shani Welles), eine bezaubernde junge Lady, welche mit dem eher grimmig wirkenden, bösartigen Bill Sikes (Oliver Reed) angetraut ist. Nunmehr versuchend seinen eigenen Weg zu finden ist Oliver Twist hin- und hergerissen zwischen Fagin und seinen neuen Freunden; und der Suche nach seiner wahren Herkunft…

Betrachte dich… als einen von uns !
Diese filmische Umsetzung ist wirklich beeindruckend, sehr opulent und farbenfroh. Verglichen mit den anderen Filmumsetzung zum Originalstoff ist dies wohl die bis dato gelungenste – in jeder Hinsicht. Ich habe noch nie ein Musical gesehen welches so ansprechend und unterhaltend ist; indem es eine größte Bandbreite an funktionierenden filmischen Mitteln offeriert. Alles scheint perfekt von der Kamera eingefangen zu werden – man könnte mit jeder x-beliebigen Szene beginnen, hinsichtlich einer Wertung – alle befinden sich auf dem gleichen, konstant hohem Niveau. Die Liebe zum Detail, die koordinierten Bewegungen bei den Tanzszenen, die Szenenaufbauten, die talentierten Darsteller (ganz besonders Jack Wild als Artful Dodger und selbstverständlich Ron Moody als Fagin), die offensichtlich investierten Mühen; und nicht zuletzt die großartige musikalische Untermalung… mehr als beeindruckend !

Ein (noch) eher skeptischer Oliver Twist in London
Um es aber dennoch zuzugeben: der Moment als Oliver den Artful Dodger in London trifft, dies musikalisch untermalt mit dem zeitlosen Titel “Consider Yourself” – beschreibt definitiv meine absoluten Lieblingsmomente aus dem Film. Es ist ein großartiger Titel mit einer universellen Bedeutung, überzeugend dargestellt mithilfe wahnwitziger Szenenaufbauten und einer ganzen Horde Darsteller und Statisten. Die ganzen Menschen zu sehen, welche alle ihrer Alltagsaktivität nachgehen, dazwischen Oliver und der Artful Dodger während sie das Lied singen – einfach unglaublich. Selbstverständlich hat der Film einen gewissen amüsanten Unterton welcher sich durch den gesamten Film zieht. Man nehme zum Beispiel die Gerichtsszene – sehr witzig gemacht. Doch es ist klar – es gibt auch einen ernsten Unterton. Und der Film schafft es einfach perfekt, diese verschiedenen Stimmungen aus dem Buch aufzufangen und perfekt balanciert umzusetzen. Und genau dies ist es auch, was das Musical von den anderen Filmumsetzungen unterscheidet: das Ganze ist nicht zu ernst gestaltet; man hat beim Schauen eher die ganze Zeit ein Grinsen im Gesicht – mit den ernsteren Grundaussagen im Hinterkopf. Eine echte Hommage an das Leben, eine Ode an die Freude wenn man so will
Das Publikum ist dazu in der Lage eine echte Empathie für die einzelnen Charaktere zu entwickeln, nehmen wir Fagin als Beispiel: wir alle wissen dass er ein recht komischer Kauz ist. Ein gerissener Dieb der weiss wo es langgeht – aber auch jemand der sich einem anderen unterwirft; und der ein gutes Herz hat. Geächtet von der Gesellschaft, verfolgt vom Staat, sein Kümmern um die Obdachlosen Waisenkinder – mit Sicherheit ein sehr ambivalenter Charakter; der hier sehr gut und gerecht porträtiert wird. Es wird klar, dass der Film mit unzähligen mehr oder weniger subtilen Botschaften aufwartet; welche auf damalige Misstände hinweisen, Böses und Ungerechtigkeit verurteilen und so weiter – eine gute Mischung aus Zeitgeschichte und allgemeiner Gültigkeit. Aufgrund dessen meine ich, dass man die anderen Verfilmungen alle getrost vergessen kann, auch wenn das hart klingt. Nehmen Sie zum Beispiel die neue Version von Roman Polanski; welche einfach nur überflüssig ist. Wer braucht schon mehrere Neuverfilmungen wenn es bereits eine gibt; die derart zeitlos und gut ist ? Ein Argument würde ich gelten lassen: diejenigen, die sich nicht an Musicals erfreuen können (was sehr schade wäre). Allgemein hoffe ich, dass Polanski’s Version erstmal die letzte war… !

Unglaublich gut: Ron Moody als Fagin
Kurzum: eine großartige, zeitlose und universelle Verfilmung. Mit einem großartigen Soundtrack, überaus netten Choreographien, exzellenten Darstellern, guter Schnitt- und Kameraarbeit. Einen einzigen negativen Aspekt habe ich dann aber doch noch: Die Singstimme Olivers ist nicht die des Schauspielers Mark Lester, sondern wurde von einem etwas gleichaltrigen Mädchen namens Kathe Green ersetzt ! Und das hört man auch. Selbstverständlich spreche ich von der Originaltonspur – einen solchen Film schaue ich mir sicher nicht synchronisiert an. Was für ein riesiger Fehler ! Vielleicht war es tatsächlich so das Mark Lester nicht sonderlich gut singen konnte – aber bitte; welcher junge Darsteller möchte schon von einem gleichaltrigen Mädchen “gesungen werden”… ? Nun ja, dies ist der einzige Aspekt der mich von einer höheren Bewertung abhält; einen solchen Fehler (meiner Meinung nach) hätte man sich nicht erlauben dürfen. Wenn Sie das Buch gelesen haben, ist dies die absolut einzig zu empfehlende Verfilmung die dem Stoff gerecht wird. Aber auch alle Nicht-Leser: anschauen – ein absolutes Muss. 9.7 von 10 Punkten – und einen IkarusAward:
- Für das am gelungensten und wirksamsten umgesetzte Musical aller Zeiten. Hier stimmt einfach alles !
P.s. – wenn Sie auf der Suche nach einer guten Gallerie mit Screenshots und vielen weiteren Bildern sind, empfehle ich Ihnen, diese Seite zu besuchen. Oder sehen Sie sich den Trailer an… die deutsche DVD gibt es in jedem gut sortiertem Fachhandel, oder bei Amazon.de.
Who does not know about the tale of Oliver Twist (Mark Lester), the little orphan whose mother had died shortly after his birth; asking for some more food ? What finally leads to an adventurous trip… he is being sold, and runs away shortly after that… to make his fortune in London. There he meets the Artful Dodger (Jack Wild), who introduces him to Fagin (Ron Moody) and his fellows. For instance, he gets to know Nancy (Shani Welles), the charming companion of the rather evil Bill Sikes (Oliver Reed). Henceforth trying to make his way, he is torn between the bunch of homeless children with Fagin as their leader; and his original search for his true origin…
This cinematic realization is just stunning; and certainly very opulent and colourful. Compared to the other realizations which I have also seen recently this one maybe is the best – in any concern. I have never seen a cinematic version of a musical so pleasing and attracting; offering a great variety between a cinematic subtleness and a more distinctly way of pushing on with the plot.
It all seems to be perfectly captured – you could just start by taking any scene; there are not any differences in relation to their quality and impression. The love for details, the facial expressions, the coordinated movements, the scene setups, the talented actors (outstanding: Jack Wild as the Artful Dodger, Ron Moody as Fagin), the obvious effort, the songs and the singing…

Another complex scene setup… song: “Consider Yourself”
But, and to admit that: the moment Oliver is meeting the Artful Dodger in London, followed by the song “Consider Yourself” – is definitely composing one of my favourite scenes in the whole film. A great song with an universal meaning; and a stunning cinematic realization – certainly with a lot of effort. Seeing all characters pursuing their everyday activity, with Oliver and the Artful Dodger moving between them while singing the song – it is just amazingly captured.
Of course, the film has a certain funny and amusing undertone which is drawn throughout the whole storyline. Take the court scene, for an example – it gave me a very good laugh. But it manages to keep the balance between the rather serious topic (an orphan is seeking for his true origin) and those explicit funny moments and the overall positive meanings of the songs. That is also what differentiates this film from the other productions – it is not stylised too serious; you would rather watch it with a steady smile on your face. But it is still managing to carry out the overall message.

A rather sceptical Oliver, after first encountering Fagin and his fellows
The audience is able to get a real feeling for the individual characters also; just take Fagin as an example – we all know that he is a rather awkward guy. On the one side creepy, thievish – and on the other with a very good heart. Scorned by society, hunted by the police; maintaining some dangerous business with Bill Sikes, his caring for the homeless boys – certainly an ambivalent character which one is definitely getting a good feeling for. It is evident that this film is presented with a lot of more or less subliminal messages; just take those concerning the discrepancy between rich and poor – which are all perfectly fitting into the storyline.
Maybe I am being rather cheeky here; but I think this film is simply carrying out best – concerning the book and it’s overall declaration. It is almost like you could forget about the other films here – certainly referring to the newest cinematic realization by Roman Polanski; which is rather needlessly – at least in my opinion. Who needs several remakes when there is a film so timeless like this one ? The only argument could be: those who do not like musicals. Considerated this way, I think that Polanski made a lot of improvements; by comparison to the older flicks. But still, I hope that they would not shoot this topic over and over again and that Polanski’s version is the last one – at least for the next decades.

Outstanding: Ron Moody as Fagin
A great, timeless and universal film. With a great soundtrack, nice choreographies, outstanding actors, good cutting; and of course an universal and understandable message. The only negative aspect: the singing voice of Oliver, one will certainly notice that this is not his original one – it was taken over by the daughter of the supervisor, Kathe Green. In my humble opinion: what a great mistake… maybe Mark Lester was not able to sing that well… but which boy wants to be synchronised by a coeval girl… ? It is neither right nor does it really fit.
This is nearly the only mentionable aspect that prevents me from a higher rating. If you have read the book, this wil be the only adapted version which is totally recommendable – of course; only if you can accept that this basically is a musical. I guess I am not the only one who thinks like this: browse through the wikipedia article to see how many awards it received – 9.7 out of 10.
- For being the most remarkable musical of all times.
By the way; if you are looking for a very good gallery (screen captures, personal headshots, making of et cetera) – I warmly recommend to take a closer look at this one.
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Thanks for setting up a link, Skykid – I totally agree with your opinion on Polanski’s version.