AKA: Weiser Dawidek – Laufzeit: 95 Minuten – Land: Polen
Hier handelt es sich um einen sehr interessanten Film aus dem banachbarten Polen. Das Geschehen spielt (unter anderem, zu den Zeitschienen später mehr) im Jahre 1967 und dreht sich um die Kindheitserfahrungen von Paweł, Piotr, Szymek, Elka und Dawid, die entzwischen erwachsen geworden sind. Zusammen verbrachten sie einen ereignisreichen Sommer. Ich weise darauf hin, dass dieser Film auf das brühmte Buch “Weiser Dawidek” zurückgeht, welches vom polnischen Autor Pavel Huelle verfasst wurde.
Der Film beginnt mit einer eher simplen Introsequenz – weisse Buchstaben auf schwarzem Hintergrund; es werden einige kurze Filmszenen eingespielt. Diese weisen sogleich darauf hin, was hauptsächlich zu erwarten ist. Wir sehen eine Gruppe von 5 Kindern, welche an einem Fluss spielen. Sie haben Sprengstoff dabei; man sieht viele Kabel unter einer Brücke entlanglaufen; die Kamera fährt entlang des Kabelwusts, die Kinder mittendrin. Kurz darauf gibt es eine lautstarke Explosion.

Ein einzige Moment veränderte das Leben der Kinder schlagartig
Bald schon wird klar, dass die eigentliche Handlung auf 3 differente Zeitebenen aufgeteilt ist, welche in einem ständigen Wechsel alternieren. Eine Zeitspanne fokussiert sich auf die eigentlichen Kindheitserfahrungen im Jahre 1967, eine andere auf die Tage kurz nach der mysteriösen Explosion; und eine dritte auf das Jahr 1997, 30 Jahre nach den eigentlichen Ereignissen mit denen alles begann. Wir werden mit dem Hauptcharakter Pawel (Marek Kondrat) bekanntgemacht; welcher ein eher beschauliches Leben zu führen scheint. Nachdem er einige Jahre in Deutschland verbracht hatte; kehrt er nun in sein Heimatland nach Polen zurück, in die Stadt Breslau. Daraufhin beginnt er sich zu erinnern – und zwar in sehr stark emotionalisierter Art und Weise. Sehr zur Sorge von seiner Freundin Juliana (Juliane Köhler), die bereits “gemeinsame” Pläne für die nächsten Monate geschmiedet hat. Doch es scheint, als würde Pawel sich immer mehr in seinen Erinenrungen verlieren.
Der Film ist einfach nur aussergewöhnlich; beiderseits bezogen auf die eigentliche Geschichte als auch die Realisierung. Die Rückblenden fügen sich perfekt in den Kontext des Films ein. In Bezugnahme auf die Häufigkeit eben dieser könnte man durchaus von einer gewissen filmischen Verwirrung ausgehen – glücklicherweise ist das aber nicht der Fall. Es gibt tatsächlich eine roten Faden; auch wenn diesem manchmal schwer(er) zu folgen ist. Ein wichtiger Punkt der das Verständnis zumindest erleichtert: die Rückblenden tauchen nicht aus dem Nichts auf (wie bei manchen anderen Werken); sie beziehen sich auf die Schlüsselreize (wie Geräuschen) denen Pawel ausgesetzt ist.

Pawel auf seiner Reise in die Vergangenheit; auf der Suche nach der Wahrheit
Die Hauptaufmerksamkeit wird jedoch auf den Charakter Dawid gelegt – ein seltsamer Junge welcher Jude ist; und eine Art übermenschlicher Kräfte zu haben scheint. Doch zeigt er diese nicht jedem; er wählt nur einige “Wissende” persöhnlich aus – sofern sie ihm schwören niemandem davon zu erzählen. Auch nicht über das, was sie vielleicht erstaunliches sehen werden – was sie auch tun. Doch es erfährt tatsächlich niemand etwas davon, scheinbar auch nicht der Zuschauer… doch sehen wir ersteinmal auf eine wunderbare Darstellung der sich entwickelnden Freundschaft zwischen Dawid, Pawel and Elka – welche jedoch nie wirklich durchsichtig erscheint. Auch Themen wie der zweite Weltkrieg in Bezug auf die Juden und Polen; Diskrimierung und Tod werden behandelt; auf der Gegenseite sind es Dinge wie erste Liebe, das sexuelle Erwachen und Freundschaft; “unsichtbare Bänder” zwischen uns Menschen. Alle diese gegensätzlichen Themen werden aufgezeigt, quasi in einen großen Topf geworfen – es bleibt dem Zuschauer überlassen, Botschaften oder Aussagen daraus zu entnehmen. Und das dürften bei jedem ganz unterschiedliche sein.

Der 12 Jahre alte Pawel in Kindheitstagen (gespielt von Maciej Jaszczuk)
Ich denke dass es einfach superspannend ist; Pawel auf seiner Suche nach der Wahrheit zu begleiten; indem er seine entzwischen erwachsenen Freunde von damals im Polen der 90er Jahre wiederzufinden versucht. Es ist klar, dass sie sich verändert haben – Piotr zum Beispiel scheint ein eiskalter Geschäftsmann geworden zu sein; welcher die vergangen Ereignisse nicht mehr an sich herankommen lassen will. Keine Große Hilfe für Pawel also; doch die Frage bleibt: warum verdrängt er dies ? Ebenso wie der nun leicht verrückt wirkende Szymek; der sogar mit schwerwiegenderen Folgen zu leben hat. Elka; die im Grunde am meisten wissen müsste, ist zwar bereit über die Dinge zu sprechen; jedoch ohne nachvollziehbares “Ergebnis” für Pawel. Der Zuschauer bekommt ein sehr gutes Gefühl für die innere Zerissenheit der Charaktere; ihren tagtäglichen Kampf mit dem Geheimnis; selbst noch so viele Jahre nach dem eigentlichen Ereignis beim Fluss. Aber wer oder WAS war Dawid, warum war er in der Lage zu tun was er während der gemeinsamen Kindheitstage tat; wohin verschwand er nach der Explosion ? Niemand, noch nichteinmal Elka; die mit ihm in den Tunnel ging kurz bevor er explodierte – scheint es zu wissen. Oder will sie es bloss nicht wissen; weil sie immer noch dem Schwur treugebleiben ist das Gehemnis zu wahren; auch nach 30 Jahren ?
Nicht jede Frage kann beantwortet werden; auch wenn es immer sinnvoll ist Fragen zu stellen. Sehr gelungener Schnitt (zurecht ausgezeichnet mit einem Filmpreis), sehr athmosphärischer Ton; großartige Darsteller im Kindes- und Erwachsenenalter. Ein fast schon perfekter Film, der eine Menge Spielraum für Spekulationen zulässt. Jedoch kann ich mir vorstellen, dass das Buch eine noch weitaus tiefgehendere Erfahrung sein muss. In jedem Falle einer der besseren Filme mit dem gewissen Etwas. 9.5 von 10 Punkten von meiner Seite – und einen IkarusAward:
- Für ein (positives) Gänsehautgefühl welches – in Bezug auf Filme – seinesgleichen sucht. Großartiges, spannendes Kino das zum Nachdenken anregt.
Ich habe einen deutschen Onlineshop gefunden welcher die polnische DVD gerade anbietet: klicken Sie hier.







I read the novel first, and that ruined the film for me. I wondered if the reverse had happened, would I have even understood what was happening in the film, or why. I would be most interested in a reconsideration of the film after you read the book. .